Vinod Gajare

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Vinod Gajare
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Dieser Sensor saugt sich an deine Uhr

October 15, 2026


Hiyd ist eine kleine runde Scheibe mit 25 Millimetern Durchmesser und 2,7 Millimetern Dicke. Du setzt sie einfach auf den Gehäuseboden deiner Uhr, dort hält sie per Mikrosaugtechnik. Kleber, Magnete oder Werkzeug brauchst du laut Hersteller nicht.

Hiyd Sensor: Passt an (fast) jeder Armbanduhr

Der Sensor soll auf rund 95 Prozent aller Uhrenböden passen und sich in Sekunden zwischen verschiedenen Uhren wechseln lassen. Rückstände oder Kratzer soll er selbst auf polierten Gold- oder Glasböden nicht hinterlassen. Weil er komplett unmagnetisch ist, soll er auch den Rotor von Automatikuhren nicht stören.

Für Sport oder die Nacht legt Hiyd ein weiches Armband bei. In das steckst du den Sensor, wenn die gute Uhr lieber auf dem Nachttisch bleiben soll. Passt Hiyd nicht an deine Uhr, kannst du ihn innerhalb von 30 Tagen zurückgeben, verspricht der Hersteller.

Hinter dem Projekt steckt ein Team aus San Jose, dessen Mitglieder nach eigenen Angaben zuvor bei Apple und Tesla gearbeitet haben. Aktuell bereitet die Mannschaft die zweite Generation vor. Sie soll dünner und genauer sein als ihr Vorgänger und einen deutlich besseren Akku haben.

Hiyd Sensor zwischen Zeigefinger und Daumen einer Hand.
In einer kleinen Scheibe ist der Hiyd Sensor integriert. Bildquelle: Hiyd

Das misst der Sensor

Funktional orientiert sich Hiyd an Fitness-Trackern und smarten Ringen. Laut Hersteller erfasst der Sensor:

  • Herzfrequenz, Ruhepuls und Herzfrequenzvariabilität (HRV)
  • Schlafqualität inklusive Schlafscore und Schlafphasen
  • Schritte und tägliche Aktivität
  • einen täglichen Erholungs- und Bereitschaftswert

Dazu kommt ein Ernährungstracker in der App: Du fotografierst dein Essen mit dem Smartphone, die App schätzt Kalorien und Makronährstoffe. Verfügbar ist das kleine Handyprogramm für iOS und Android, die Daten lassen sich mit Apple Health und Google Health synchronisieren. Eine Strava-Anbindung ist ebenfalls geplant.

Und wie lange kannst du den Tracker nutzen? Der Hersteller verspricht: Der Akku soll bis zu vier Tage durchhalten. Geladen wird über ein separates Ladegerät oder über das optionale Battery Band, das den Sensor nachts nebenbei auflädt. Ein Abo ist ausdrücklich nicht nötig.

Preis und Marktstart: erst Kickstarter, dann Auslieferung im Jahr 2027

Kaufen kannst du Hiyd bisher nicht. Die neue Generation wird derzeit auf einer Messe in San Francisco gezeigt, im November startet laut aktueller Planung eine Kickstarter-Kampagne. Die ersten Geräte sollen dann spätestens im zweiten Quartal 2027 ausgeliefert werden. Auf der Warteliste stehen laut Hersteller bereits mehr als 33.000 Interessenten. Eine solche Warteliste ist aber nicht mit echten Bestellungen gleichzusetzen.

Als Frühbucherpreis nennt Hiyd 199 US-Dollar, also rund 175 Euro. Das entspricht einem Rabatt von 100 Dollar auf den regulär gültigen Preis, der also bei knapp 300 Dollar liegen dürfte. Euro-Preise gibt es bisher nicht. Wichtig: Bestellst du direkt in den USA, können zusätzlich Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zoll anfallen.

Wie gut kann das funktionieren?

Und wie gut ist das Ganze nun wirklich? Offen gesagt: Eine Smartwatch wird aus deiner Uhr damit nur eingeschränkt. Denn Hiyd hat keinen Bildschirm, zeigt keine Benachrichtigungen an und kann nicht bezahlen. Auch von GPS ist auf der Produktseite keine Rede. Eher bietet sich also ein Vergleich mit einem bildschirmlosen Fitness-Tracker, der unter deiner Uhr versteckt ist.

Die spannendste Frage ist die Messgenauigkeit. Optische Pulssensoren benötigen engen, gleichmäßigen Hautkontakt. Viele tragen ihre klassische Uhr aber eher locker, und schwere Stahluhren rutschen am Handgelenk oft hin und her. Wie sauber die Daten unter solchen Bedingungen sind, kann bislang niemand unabhängig sagen und Tests zu Hiyd gibt es noch keine.

Auch die Vergleichstabelle des Herstellers auf dessen Webseite solltest du mit Vorsicht lesen. Dort heißt es etwa, Smartwatches böten keinen Bereitschaftswert auf Basis von Ruhepuls und HRV. Viele aktuelle Modelle von Apple oder Garmin erfassen solche Werte aber durchaus.

Dazu kommen ein paar praktische Punkte:

  • Tragegefühl: 2,7 Millimeter klingen wenig, heben deine Uhr aber spürbar vom Handgelenk. Unter enge Hemdmanschetten passt sie dann womöglich schlechter.
  • Laden: Alle vier Tage muss der Sensor an den Strom. Ohne „Battery Band“ heißt das jedes Mal: abnehmen, laden, wieder anbringen.
  • Wasser: Hiyd soll schweißresistent sein. Auch eine IP67-Zertifizierung wird in Aussicht gestellt. Wirklich wasserdicht ist der Sensor damit aber nicht. Maximal zeitweises Untertauchen bis in 1 Meter Wassertiefe ist möglich.
  • Datenschutz: Hiyd verspricht Verschlüsselung und will Gesundheitsdaten nie verkaufen oder weitergeben. Ob Hiyd auch die DSGVO einhält, ist noch unklar.
  • Crowdfunding-Risiko: Kickstarter ist kein Onlineshop. Verzögerungen sind bei Hardware-Projekten eher die Regel als die Ausnahme. Hiyd verweist aber darauf, mit der ersten Generation bereits erste Sensoren ausgeliefert zu haben.

Hat Hiyd Aussicht auf Erfolg?

Klar ist: Die Idee trifft einen Nerv. Wer eine mechanische Uhr liebt, will sie in der Regel nicht gegen eine Smartwatch tauschen. Ein zweites Gadget am anderen Handgelenk oder ein Ring am Finger ist auch nicht jedermanns Sache. Hiyd umgeht beides elegant.

Hiyd Sensor an einer Armbanduhr.
Der Hiyd Sensor soll mit nahezu jeder Armbanduhr kompatibel sein. Bildquelle: Hiyd

Das zweite starke Argument ist der Verzicht auf ein Abo. Bei Fitness-Trackern ohne Display und bei vielen smarten Ringen gehören Monatsgebühren inzwischen zum Geschäftsmodell. Zum Beispiel auch bei den Premium-Funktionen von Google Health. Hiyd positioniert sich – zumindest aktuell – bewusst dagegen.

Für wen lohnt sich Hiyd – und für wen nicht?

Interessant ist Hiyd für dich, wenn …

  • du täglich eine klassische oder mechanische Uhr trägst und nicht darauf verzichten willst,
  • dir Basiswerte wie Schlaf, Puls und Schritte reichen,
  • du keine Lust auf monatliche Abo-Gebühren hast,
  • du mehrere Uhren im Wechsel trägst und den Tracker einfach mitnehmen willst.

Eher nichts für dich ist Hiyd, wenn …

  • du Benachrichtigungen, mobiles Bezahlen oder GPS-Tracking beim Sport willst,
  • du ambitioniert trainierst und auf möglichst präzise Messwerte angewiesen bist,
  • du deine Uhr gern locker am Handgelenk trägst,
  • du kein Crowdfunding-Risiko eingehen willst. Dann wartest du besser auf erste unabhängige Tests.

Fazit: Clevere Nische mit offenen Fragen

Ob das Konzept im Alltag aufgeht, hängt primär an der Messgenauigkeit unter einer Uhr, die nicht immer perfekt sitzt. Bis es dazu belastbare Tests gibt, ist Hiyd hauptsächlich eines: ein spannendes Versprechen für Uhrenfans.

Profilbild von Hayo Lücke

Hiyd ist eine der originelleren Ideen im Wearables-Segment. Statt dir eine weitere Uhr ans Handgelenk zu schnallen, rüstet der Sensor die Uhr nach, die du ohnehin trägst – unsichtbar und ohne Abo. Eine echte Smartwatch ersetzt er aber weniger. Er ist für mich ehrlich gesagt eher ein versteckter Fitness-Tracker. Aber auch das ist eine smarte Innovation.



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